Platon trifft Buddha am Mount Emei

Unbenannt

Tourismus, Spiritualität und HighTech in Zentralchina

Die Wurzeln des Buddhismus liegen im heutigen Indien. Seine Entstehung kann als Reaktion auf die Verweltlichung des Hinduismus gesehen werden. Die hinduistische Priesterkaste führte eine Feudalherrschaft und beutete die Bevölkerung aus. Gruppierungen von Skeptikern waren überzeugt, dass man die Wirklichkeit, wie sie in die Veden beschrieben wurde ohnehin nie erfahren kann. Gautama Siddhartha, dem späteren Buddha ist es um 480vChr. durch seine Erleuchtung gelungen eine Gegenbewegung dazu einzuleiten. Bereits kurz nach seinem Tod kam es zu einer Spaltung. Die Südströmung, der Theravada Buddhismus hat seinen Schwerpunkt im Mönchstum. In der nördlichen Ausbreitung, dem Mahayana Buddhismus waren Gläubige stärker in das spirituellen Leben eingebunden. Jedem Menschen sollte es möglich sein, eine Buddha-Natur zu erreichen.

Buddhismus

 Mit dieser Geisteshaltung ist nun der Buddhismus im 1Jhdt.nChr. am Berg Emei angekommen. Der Legende nach hat ein Bauer am Jinding, der Bergspitze, einen ersten Tempel errichtet. Schon vorher war dieser Berg mit 3079m geheiligt. Taoistische Klöster wurden im Laufe der Zeit von buddhistischen Tempeln abgelöst. Am Höhepunkt der Buddha Bewegung waren es 150 Tempel am Berg. Heute existieren noch etwa dreißig, wobei die meisten davon kürzlich restauriert oder wiederaufgebaut wurden. Die Volksrepublik China ist nach seiner Grundausrichtung atheistisch. In den letzten Jahren besinnt man sich zusehendes mehr auf die eigenen Tradition. Folklore wird bei der Parade am Tian-namen Platz gezeigt, Tempel werden saniert und Devotalien verkauft. Das Mindset der „Drei Religionen“ (Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus) wird von 20% der Bevölkerung getragen. Religiös aktiv dürften weniger als 1% der Bevölkerung sein. Diese Relation ist auch im Tourismuscenter in EmeiShan zu erkennen. Es gibt einige wenige Mönche, zuständig für den Tempelbetrieb. Sie sind durchaus wirtschaftlich orientiert. Jeder Glockenschlag, die Räucherstäbchen und Buddha Statuen werden verkauft. Wenige Touristen nutzen die Gelegenheit vor einer Buddha Statue kurz zu beten oder zu bitten. Der Großteil der Besucher sind klassische Touristen, die sich historische Gebäude anschauen. So wie es Chinesen in Salzburg, Schloss Neuschwanstein oder Hallstadt auch machen.

Ein besonderes Highlight ist die goldene Statue des Bodhisattwa Samanthabhadra die mit 48m Höhe das Wahrzeichen von EmeiShan ist. Diese erscheint bei Sonnenuntergang in leuchtendem gold / gelb. In Verbindung mit den Wolken hinterlässt dieser Ort einen sehr mystischen Eindruck. Davon leitet sich dann auch der Name des „Golden Summit“ ab.

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In unmittelbarer Nähe liegt die Stadt LeShan die für den „Le Shan da fo“ dem Riesen – Buddha bekannt ist. Der buddhistische Mönch Haitong hat diese im Jahre 713 in den Felsen gehauen. Verbunden mit der Bitte an Buddha, die bis dahin lebensgefährliche Strömung am Zusammenfluss der drei Flüsse zu besänftigen. Vom Kopf ausgehend führt eine steile Treppe entlang der 71m hohen Statue zu dessen Füssen. In der Hochsaison warten Besucher bis zu drei Stunden bis sie diesen Weg hinunter gehen können. Dafür als auch für den „Golden Summit“ gibt es auf YouTube exzellente 4K Videos. Insbesondere ist es das natürliche und künstliche Licht welches diesen beiden Orten etwas magisch, mystisches verleiht.

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Die touristische Vermarktung ist perfekt durchorganisiert. Vom Busbahnhof in EmeiShan sind alle Orte leicht zu erreichen. Allerdings die langen Treppenwege zu den Tempeln muss man schon selber gehen. Diese erschließen mit 50km Länge den gesamten Berg Emei. Für die kurze Route braucht es einen Tag mit 15km Länge und 2000 Stufen. Entlang des Weges kommt man an acht Tempeln vorbei. Sofern man hier jeweils mit den betenden Mönchen etwa 20min meditiert, macht man auch eine bleibende spirituelle Erfahrung. Ähnlich der Zen Meditation die sich auch aus Kontemplation und Gehen zusammensetzt. Alle diese Eindrücke werden im neu gebauten „State of the Art Theater“ in Emei Shan künstlerisch verarbeitet.

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Das Theater ist ein High Tech Schauspielhaus, welches an das „Deep Space“ des Ars Electronica Centers in Linz erinnert. Lediglich in anderen Dimensionen mit fünf Hauptbühnen für jeweils 2000 Zuschauer. Die chinesische Künstlerin Wang Change hat eine erste Aufführung unter dem Leitmotiv „Fantasy City of Dreams“ in sechs Akten arrangiert.

Der erste Akt beginnt bereits im Außenbereich. Hier werden die Zuschauer von den Schauspielern empfangen. Um das Haupthaus herum sind Dächer eines alten chinesischen Dorfes angelegt, das mit künstlichem Nebel und sanfter Beleuchtung eine mystische Stimmung erzeugen. Schauspieler tauchen aus dem Nebel auf und verschwinden wieder darin. Das alles verläuft in Ruhe und man wird ganz sanft zu den Sitzplätzen im ersten Block geleitet.

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Im Zweiten Akt sitzt man vor einer riesigen Bühne mit geschlossenem Vorhang. Darauf wird nun mit Beamern die religiöse Tradition Chinas präsentiert. Eigentlich nichts Besonderes. Beinahe kommt Enttäuschung auf. Der Vorhang ist in Wirklichkeit eine halbdurchlässige Leinwand. Sofern Licht nur von vorne kommt hat man ein flächiges Bild. Ähnlich wie bei Platons Höhlengleichnis sehen die Zuschauer (2nd Person View) nur den Schatten und nicht die tatsächliche Wirklichkeit. Nach Platon ist es dem Menschen nicht möglich durch die Felsenwand hindurch auf die Realität zu Blicken. Der Mensch ist immer nur Zuschauer. Im EmeiShan Theater ist aber mehr möglich. Wenn auf der dahinterliegenden Bühne die Spots auf die Schauspieler eingeschaltet werden, sieht man durch die Leinwand hindurch und hat ein Bild wie in einem 3D Kino. Die Wirklichkeit wird durchlässig.

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Die Bühne selbst ist als Hebebühne konstruiert. Viele Kacheln, Subbühnen können individuell gehoben und gesenkt werden was den 3D Effekt noch zusätzlich verstärkt. Eingebettet in das Frontbild wird nun die Story erzählt. Am Höhepunkt der Erzählung sind dann alle Kacheln zu sehen und der westliche Zuschauer ist schockiert. Ein Hackenkreuz. Genau das NAZI Symbol, allerdings spiegelbildlich angeordnet. In hinduistischer Tradition ist das dann das Sawastika. Ein jahrtausende altes Symbol für Wohlbefinden und dem „Guten Weg des Buddha“.

Etwas verblüffend, nach zwanzig Minuten ist die Vorstellung vorbei und die Zuschauer stehen auf. Sie werden allerdings nicht hinaus, sondern auf die Bühne geleitet. Hier beginnt der dritte Akt. Zuschauer und Akteure sind sich nun schon sehr nahe. Eingebettet in diesen Rahmen wird der Lebenslauf des Menschen behandelt. Von Geburt, Familie, Jugend, Arbeit bis zum Altern. Nach asiatischer Philosophie ein Zyklus der mit der Wiedergeburt von neuem beginnt. Viele solcher Zyklen machen die chinesische Geschichte aus. Gezeigt wird diese im vierten Akt, in einem weiteren Raum, ebenfalls mit Halbtransparenten Leinwänden. Der Bogen spannt sich vom antiken Taoismus, den verschieden Dynastien über den Buddhismus hin bis zur Gründung der Volksrepublik. Es war ein Leidensweg. Nach Buddha: „Alles Leben ist Leiden“. Aber es gibt eine Erlösung. Diese wird dann im fünften Akt, der Zukunft gezeigt. Es ist die Leichtigkeit des Lebens, demonstriert von Schauspielerinnen, die wie Schmetterlinge durch den Raum schweben. Auf vier Leinwänden wird die hoffnungsvolle Zukunft Chinas gezeigt: „Du kannst deine Träumer verwirklichen“. Und, der Zuschauer ist mitten drinnen. Noch tiefer geht’s dann im letzten Akt hinein. Akteure und Zuschauer verschmelzen. Es werden kleine Geschenke mit chinesischer Höflichkeit ausgetauscht. Der „1st Person State“ ist erreicht – ich bin nun Akteur.

Insgesamt ist das „Fantasy Drama“ eine Aufforderung sich aktiv am Leben beteiligen, seine Träume zu erfüllen, sich selbst zu verwirklichen und so die Zukunft Chinas mitzugestalten. EmeiShan ist eine Reise Wert. Für Techniker, spirituell Suchende oder ohne Absicht!

Manfred Litzlbauer im „3rd Person View“– Prozessbeobachter.

Erkenntnisse:

  • Platon – Man kann nicht durch die Wirklichkeit in die Realität schauen.
  • Buddha – Jeder kann Erleuchtung erlangen, also hindurchsehen.
  • Platon und Buddha hatten auch nur ihre eigene Wirklichkeit.
  • Menschen im 21.Jhdt haben immer noch ihre subjektiven Wirklichkeiten.
  • Nicht mehr nur die Oberfläche sehen, sondern in die Tiefe gehen.
  • Technologie macht die Oberfläche durchlässig.
  • Gleichzeitig in der Realität und im Cyberspace sein.
  • Der Transparente Spiegel – eine Lebenseinstellung

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