Leadership

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich „Führung“ in den nächsten Jahren grundsätzlich verändern. Die ersten Anzeichen dafür sind bereits spürbar. Es gibt kaum einen Kongress, bei dem nicht die hypigen Themen wie Achtsamkeit, Disruption, Influenzer, agile Organisation usw. angesprochen werden. Alleine damit wird sich jedoch nichts verändern. Die wirklichen Umbrüche finden im technologischen Umfeld statt, Geschäftsmodelle werden sich vollständig verändern. Das Business der Zukunft lautet „Service“. Für Unternehmen und generell für alle Organisationen werden Führungskräfte und Mitarbeiter das Überleben sichern können. Technologie alleine wird es nicht schaffen. Menschliche Intelligenz wird durch Maschinen ergänzt. Emotionen, Bedürfnisse an sozialer Geborgenheit und Sinn des Lebens werden unsere Themen werden. Daher im Folgenden einigen Gedanken aus meiner langjährigen Erfahrung als Geschäftsführer:
Bedingungsloses Wollen: Mit dem MBA Studium haben wir erreicht was geplant war. Viele Führungskräfte wurden so zu Administratoren, welche nach den Regeln des Managementhandwerks Unternehmen führen. Die wirtschaftliche Stabilität von Unternehmen wurde damit nachhaltig verbessert. Risken können besser kontrolliert werden. Man könnte von einem Enterprise Engineering sprechen. Was weitgehend fehlt ist Unternehmertum. Dieses schließt sich mit dem Risikomanagement nahezu aus. Selbstverständlich müssen Führungskräfte ihr Handwerkszeug können, egal ob im technischen oder sozialen Bereich. Eine wirkliche Veränderung entsteht damit aber nicht. Die Führungskräfte der Zukunft werden Menschen, die so fest an ihre Ideen glauben, dass sie alles andere dem gegenüber zurückstellen. Es ist ein unbedingtes „wollen“ erforderlich. In einer Welt, in der es andere gibt, die immer anderes wollen.
Wahrscheinlichkeit statt Sicherheit: Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich das Wort „mit Sicherheit“ bereits verflüchtigt. Den meisten Menschen ist zwischenzeitlich klar geworden, dass es keine Sicherheit gibt. Ganz besonders deutlich zeigt sich das bei IT-Security. Selbst die besten Schutzmechanismen werden im Laufe der Zeit ausgehebelt. Was heute noch als sicher gilt, kann morgen schon „gehacked“ sein. Unternehmensgründer und Start-Ups sind von ihren Ideen häufig so fest überzeugt, dass sie mit Sicherheit annehmen, dass der Kunde kauft. Auch diese Sicherheit gibt es nicht wie Apple das gerade an seinen Flagship iPhone verspüren muss. Anstelle der Sicherheit tritt nun die Wahrscheinlichkeit ein. Ob Ereignisse eintreten oder nicht, Produkte sich verkaufen lassen, Politiker gewählt werden, usw. kann mit Wahrscheinlichkeiten belegt werden. Diese werden unter Zuhilfenahme von Statistiken und „Machine Learning“ immer zuverlässiger. Demzufolge wäre eine zuverlässige Wahrscheinlichkeit schon eine hohe Sicherheit.
Komplexität bringt Stabilität: Der Begriff der Komplexität wird nahezu für alles verwendet. An sich handelt es sich dabei um Ereignisse, die neben, fern und zeitversetzten Wirkungen haben. Zusätzlich dazu sind sie noch exponentiellen Wachstum unterworfen. Soweit einmal die systemische Erklärung. Meist wird Komplexität als etwas negatives empfunden und vielfach erleben wir das auch täglich so. Einen ganzen Tag gearbeitet und nichts ist weitergegangen. Die unmittelbare (Selbst-)Wirksamkeit wird aufgrund des oben beschriebenen Phänomens immer geringer. Trotzdem sind wir in einer komplexen Welt auch wirksam. Dazu braucht es einen größeren Horizont und vor allem Zeit. Letzteres ist das Schlüsselelement um mit Komplexität umzugehen.
Gefahr der digitalen Selbstüberschätzung und Populismus: Das haben alle schon einmal überlebt. Man bekommt über die eigenen Social Media Accounts nur jene Botschaften, denen man uneingeschränkt zustimmt. Die Betreiber sind zwischenzeitlich in der Lage die Persönlichkeitsprofile so genau zu erfassen, dass man nur konforme Information bekommt. Damit wird das Selbstbild verzerrt, man hat das Gefühl immer richtig zu liegen. „Das habe ich immer schon gesagt.“ Eng damit verbunden ist das „Populäre“. Derartige Strömungen sind leicht zu unterstützen und man kann ohne besonderen Aufwand auf diesen Popwellen surfen.

Service als einiges Geschäftsmodell: Schon heute gibt es kaum mehr ein Produkt, welches sich ohne begleitendes Service verkaufen lässt. Kunden wollen mit Produkten diese kaufen. Gleichzeitig ein Sorglos-Paket haben. So etwas ist bei Automobilen, Smart Devices, Hotelbuchungen ohnehin schon üblich. Dieses damit verbundene angenehme Erleben wird in der Folge auch in anderen Lebensbereichen gefordert. Eltern wollen volles Service bei der Ausbildung ihrer Kinder, Pflege im Alter und Behandlung im Krankheitsfall. Service braucht Zeit, kostet Geld und muss im Businessplan abbildbar sein. Der Trend zur Digitalisierung von Services ist nicht mehr umkehrbar.
Iteration als Kernprozess: Führungskräfte werden dafür bezahlt, dass sie richtige Entscheidungen treffen. Durch die allgegenwärtige Komplexität gibt es kaum mehr eine direkte Rückmeldung über die Auswirkungen der eigenen Entscheidungen. Es traut sich daher kaum jemand mehr große Entscheidungen zu treffen. Eine mögliche Alternative dazu sind viele kleine Entscheidungen zu treffen. Sobald ein Abweichen vom großen Ziel erkennbar ist, kann man noch Korrekturen anbringen. Führungskräfte brauchen daher zwei zusätzliche Fähigkeiten: die Vision und die Geduld.
Vertrauen in die Welt als Ganzes: Ja – jeden Tag gibt es schlechte Nachrichten. Einmal fällt der Börsenkurs, ein anderes Mal steigen die Grundstückspreise und wieder ein anderes Mal verkündet Donald Trump seine nächste Glorie. Wenn man einen ganzen Tag solche Nachrichten bekommt, kann das nur zu Frust und Angst führen. So ist die Welt aber nicht. Wir leben in einer Zeit von Frieden, Gesundheit und Wohlstand. Noch nicht in der ganzen Welt, wir sind aber dorthin unterwegs. Sicher wird es immer wieder Rückschläge geben. Ganz wichtig ist zwischen virtueller Welt (was Politiker sagen) und realer Welt (was wir erleben) zu unterscheiden. Meine wichtigste Lebenserfahrung ist Vertrauen in Menschen und Technologie. Eine Verbundenheit mit dem Ganzen ist dazu sicher hilfreich.

https://www.donau-uni.ac.at/de/service/alumni/index.php

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